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SYNKRETISMUS 5.2 – Kulturen in Kontakt: der Gesang der Sybille (Ursprung)

Von Mariarosa Pellicer Palacín
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Español / Spanisch

In der heutigen von arrogantem und wachsendem Ethnozentrismus geprägten Zeit sollte daran erinnert werden, dass ohne Einfluss oder Unterstützung anderer früherer oder gegenwärtiger Kulturen sich keine Hochkulturen entwickelt haben. Andererseits kann sich eine Kultur niemals als so weit fortgeschritten halten, dass sie sich unter dem Einfluss anderer Kulturen nicht weiter entwickeln könnte, sogar dann, wenn diese als primitiver betrachtet werden. Diese Tatsache gilt auch für religiöse Aspekte. Das Ergebnis einer solchen kulturellen oder religiösen Symbiose wird Synkretismus genannt.

Foto: (c) Nolina, 2015. Sta. Maria del Mar, Barcelona.

Foto: (c) Nolina, 2015. Sta. Maria del Mar, Barcelona.

In der Tradition, die wir im Jahre 2015 mit weihnachtlichen Synkretismen begannen, präsentieren wir Ihnen heute den Gesang der Sybille (Cant de la Sibil·la), ein weiteres Beispiel kulturellen und religiösen Synkretismus.

Der Gesang der Sybille ist von mittelalterlicher Tradition und war im Mittelalter sehr verbreitet in einigen südlichen Gebieten Europas (in Regionen von Frankreich und Italien, in Kastilien und in den katalanischen Ländern). Er gilt als einer der ältesten gregorianischen Gesänge und eines der wenigen mittelalterlichen sakralen Dramen, die heute noch im Leben erhalten bleiben. Davon gibt’s zahlreiche Varianten. Ab dem 10. Jahrhundert wurde er in Latein gesungen und ab dem 12. in romanischen Sprachen (Okzitanisch, Katalanisch und Kastillisch).

Dieses Lied hat seinen Ursprung im Gesang der Sibyllen, Prophetinnen (halb Frau halb Göttin) der griechischen Antike, denen Apollo wahrsagerische Fähigkeiten gewährt haben soll. Die Tradition der Sibyllen und ihr Gesang soll sich im ganzen Mittelmeerraum und bis hinzu Persien erstreckt haben. Die ältesten Spuren führen uns bis zum fernen 6. Jahrhundert vor Christus. Der Gesang der Sibyllen war ein prophetischer Psalm über das Ende der Welt und der menschlichen Existenz.

Das Christentum hat diese mythische Tradition übernommen, denn manche Visionen der Sibyllen sollen die Ankunft von Jesus Christus vorausgesagt haben. Auch die apokalyptischen sibyllinischen Visionen wurden vom Christentum auf die eigene Vision des Jüngsten Gerichtes angepasst, in dem – laut dem Christentum – die Guten und die Schlechten beurteilt werden sollen.

Zwischen 1509 und 1511, malte Michelangelo in den Fresken des Gewölbes der Sixtinischen Kapelle fünf Sibyllen: die Delphische, die Eriträische, die von Cumä, die Persische und die Libysche. Ab dem Konzil von Trient (1545-1563) wurde die Darbietung des Gesanges der Sybille aufgrund seines heidnischen Ursprungs rückläufig. Weiter. Zurück.


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Interesante Links:


Vorschläge für weitere Recherche:

Enzyklopädien:

Deacademic (multilinguale Suche in zahlreichen Enzyklopädien und Worterbüchern).

Wikipedia (in zahlreichen Sprachen). Alle Artikel befinden sich dort nicht in allen Sprachen. Außerdem können die Informationen in den verschiedenen Sprachen – je nach jeweiliger Relevanz – sehr unterschiedlich sein.

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